Der Handel macht mobil: Personaleinsatz nach Kundenfrequenz und Service-Level

Seit der Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten sucht der Einzelhandel verstärkt nach effizienten Lösungen für den bedarfsorientierten und gleichzeitig kostenoptimierten Personaleinsatz.
Andreas Obereder, Vorstandsvorsitzender der ATOSS Software AG, erklärt, welche Möglichkeiten die IT-gestützte Personaleinsatz-planung Handelsunternehmen bietet.

Die Nachfrage des Einzelhandels nach digitalen Lösungen für Personaleinsatzplanung steigt. Wie erklären Sie sich das?

Im Einzelhandel ist das Personal nach dem Wareneinsatz der größte Kostenfaktor. Handelsunternehmen befinden sich jedoch, wie viele Dienstleistungsunternehmen, in einer Zwickmühle. Wird Personal reduziert, sinkt die Servicequalität und letztlich der Umsatz. Aber der steigende Wettbewerbs- und Ertragsdruck zwingt zu immer neuen Sparrunden. Das Konzept, den Personaleinsatz beispielsweise an Umsätze, Ereignisse oder Kundenfrequenzen anzupassen und so den Service-Level und die Kosten zu optimieren, ist der logische Weg aus diesem Dilemma. Ein solch komplexer Vorgang erfordert jedoch ein professionelles System zur Planung und Steuerung von Arbeitszeiten. Dieses führt alle relevanten Informationen, von Qualifikationen über Zeitsalden und Verfügbarkeiten bis hin zu Kassendaten und Kundenaufkommen, zusammen und stellt sie tagesaktuell zur Verfügung. Die strategische Zielsetzung dazu lautet: Die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben  - und das zu optimierten Kosten.

Können Sie Beispiele aus Ihrer Praxis nennen?

Wie hoch der Nutzen einer am Bedarf orientierten Personaldisposition im Handel sein kann, zeigt das Beispiel „Thalia“. Der Schweizer Buchhändler, ein Unternehmen der Douglas-Gruppe, richtet seinen Personaleinsatz konsequent an der Kundenfrequenz aus. Mit Hilfe unserer Software können Ressourcen schonende Maßnahmen, z.B. das Schließen einer wenig frequentierten Kasse oder die Reduzierung des Verkaufspersonals an schwachen Tagen, rechtzeitig ergriffen werden. Durch dieses kurzfristige dispositive Handeln ist es Thalia gelungen, die Überstunden innerhalb von sieben Monaten um 75 Prozent zu reduzieren.
Die Handelsbranche wird sich aber nur langsam der enormen Potenziale bewusst, die ein effizientes Arbeitszeitmanagement – insbesondere im Filialbetrieb – birgt. Ein Vorreiter dieser aktuellen Entwicklung ist unser Kunde ALDI Süd. Der Discounter arbeitet bereits seit 2003 mit unserer Software. Auf Grund der dezentralen Struktur werden bei ALDI Süd Entscheidungen – dazu gehören auch die Planung und Verwaltung der Arbeitszeiten – so weit wie möglich in die Filialen delegiert.  Um die Filialleiter bei der Personaldisposition zu entlasten, entschloss sich ALDI Süd, ein IT-gestütztes Instrument für Arbeitszeitmanagement einzuführen. Gleichzeitig wollte man sicherstellen, dass die Lohnabrechnung reibungslos und ohne großen administrativen Aufwand abläuft.
Auch EDEKA Minden-Hannover disponiert und verwaltet aktuell rund 11.000 Mitarbeiter aus den Bereichen Verkauf, Logistik, Großhandel und Produktion über die ATOSS Lösung. Die Anbindung aller Märkte und Unternehmensbereiche mit rund 40.000 Mitarbeitern ist in Arbeit. Durch die zentrale Erfassung und Auswertung hat sich der Aufwand für die Lohnabrechnung erheblich reduziert. Die Konzernleitung rechnet außerdem mit erheblichen Einsparungen durch die automatische Personaleinsatzplanung.

Ist der bedarfsorientierte Personaleinsatz nur für den Einzelhandel relevant?

Ganz im Gegenteil. Unsere Studie „Standort Deutschland 2006: Zukunftssicherung durch intelligentes Personalmanagement“ hat in aller Deutlichkeit gezeigt, dass Manager in allen Branchen die flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten und den bedarfsorientierten Personaleinsatz für das Konzept der Zukunft halten. Natürlich kommt es ganz besonders in dienstleistungsintensiven Sparten wie Gesundheitswesen, Handel und Logistik darauf an, qualifiziertes und damit auch teures Personal effizient einzusetzen. Hier sind die Effekte nahezu sofort spürbar. Welche Rolle das Thema inzwischen auf politischer und volkswirtschaftlicher Ebene spielt, zeigen u.a. die aktuelle Rechtssprechung des Bundesarbeitsgerichtes zur „Arbeit auf Abruf“ oder neue Tarifwerke wie TVöD und ERA.
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