Tarifeinigung verspricht verbesserte Dienstplanung und genaue Zeiterfassung

Nach dem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung (mehr dazu hier) erreicht uns aus dem Gesundheitswesen ebenfalls eine zukunftsorientierte Einigung zwischen dem Marburger Bund und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Die Verhandlungspartner einigten sich auf ein neues Tarifergebnis, dass die Arbeitsbedingungen zumindest in kommunalen Krankenhäusern für Ärzte und Ärztinnen verbessern soll. Die kurze Zusammenfassung: Wochenenddienste sollen weniger werden, die Arbeitszeiterfassung soll verbessert werden. Doch worum geht es genau? Wir klären die wichtigsten Eckpunkte.

Für wen gilt das neue Tarifpaket Zwischen Marburger Bund und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände?

Zunächst einmal für kommunale Kliniken, laut Angaben des Marburger Bundes gilt dies für rund 55.000 Ärztinnen und Ärzte. Unikliniken, private und gemeinnützige Einrichtungen sind vorerst nicht betroffen. Sie könnten im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte jedoch schon in Kürze den kommunalen Kliniken nacheifern.

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Was sind die Eckdaten des neuen Tarifpakets?

In der Pressemitteilung des Marburger Bundes heißt es dazu: „Vereinbart wurden Regelungen zur verlässlichen Dienstplanung, zur Begrenzung der Bereitschaftsdienste, zur Arbeitszeiterfassung und zur Vergütung der rund 55.000 Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Kliniken. Die Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte sind vom 1. Juli 2019 an vollständig durch elektronische oder andere genauso genaue Verfahren zu erfassen. Dabei gilt die gesamte Anwesenheit abzüglich der tatsächlich gewährten Pausen als Arbeitszeit. Die Ärztinnen und Ärzte erhalten darüber hinaus ein persönliches Einsichtsrecht in die Arbeitszeitdokumentation, um die dokumentierten Anwesenheitszeiten überprüfen zu können.“

Welchen Einfluss hat die Einigung auf die Arbeitszeiten?

Ab dem 1. Januar 2020 sollen Klinikärzte in kommunalen Krankenhäusern Anspruch auf mindestens zwei arbeitsfreie Wochenenden pro Monat in der Zeit von Freitag 21 Uhr bis Montag 5 Uhr erhalten. Dies gilt für den Durchschnitt eines Kalenderhalbjahres. „Zusätzliche Bereitschafts- oder Rufbereitschaftsdienste sind nur zu leisten, wenn andernfalls eine Gefährdung der Patientensicherheit droht. Nicht gewährte freie Wochenenden müssen auf Antrag innerhalb des nächsten Kalenderhalbjahres zusätzlich nachgeholt werden“, heißt es dazu von Seiten des Marburger Bundes.

Wie wirkt sich das auf die Dienstplanung in Krankenhäusern aus?

Im Fokus soll die Verlässlichkeit und Vorausschaubarkeit in der Dienstplanung stehen. Denn es wurde sich zudem darauf geeinigt, dass Dienstpläne in kommunalen Krankenhäusern spätestens einen Monat im Voraus aufgestellt und festgeschrieben werden müssen. Abweichungen von den erstellten Dienstplänen sind dabei nur im Ausnahmefall möglich.

Wie können die Regelungen effizient umgesetzt werden?

Digitales Workforce Mangement bietet hier für Krankenhäuser immense Vorteile: Im System sind Arbeitszeitmodelle, Saldenstände und Verfügbarkeiten der Mitarbeiter ebenso hinterlegt wie Gesetze, Tarife, Betriebsvereinbarungen, Qualifikationen und individuellen Mitarbeiterwünschen. Auf Basis dieser Daten entsteht eine Planung in hoher Qualität und unter Berücksichtigung aller definierter Regelungen. Auch wenn Mitarbeiter kurzfristig ausfallen, lässt sich schnell ein entsprechender Ersatz finden – und das stationsübergreifend und unter Berücksichtigung von erforderlichen Qualifikationen. Denn bei der Planung im Krankenhaus spielen Qualifikationen und in der Konsequenz die Qualifizierung der Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. Können Mitarbeiter auf bestimmte Arbeitsplätze oder Geräte überhaupt geplant werden? Die Software stellt stets sicher, dass beispielsweise der OP oder die Radiologie mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzt sind und kein teurer Leerlauf entsteht. Und auch, dass, falls erforderlich, Qualifikationen rechtzeitig erneuert werden. Die neuen Tarifeinigungen lassen sich selbstverständlich problemlos in der Software abbilden. Das macht einerseits die elektronische Erfassung der Zeiten wie auch den regelkonformen Personaleinsatz deutlich einfacher.

Wie kann das persönliche Einsichtsrecht umgesetzt werden?

Self Services stehen hier klar im Fokus. Mitarbeiter haben damit die Möglichkeit, ihre Zeitdaten selbst zu erfassen und zu verwalten. Sie können Fehlzeiten beantragen, ihr persönliches Saldenkonto einsehen oder Dienstpläne abrufen oder auch Arbeitszeitwünsche für die zukünftige Dienstplanung anzugeben.  Selbst die Option Dienste mit Kollegen zu tauschen, gehört zum Portfolio eines effizienten und professionellen Self Services. Vorgesetzte wiederum können Abwesenheiten und vergessene Buchungen komfortabel genehmigen, schnell individuelle Reports erstellen oder Dienstpläne in ihrem Verantwortungsbereich einsehen. Die Saldenstände der Mitarbeiter haben sie dabei immer im Blick. Self Services bedeuten mehr Eigenverantwortung, Transparenz und effizientere Prozesse für Mitarbeiter und Führungskräfte.

 

Die neue Tarifeinigung ist eine Chance für Kliniken, über die Zeiterfassung hinauszudenken und eine ganzheitliche Lösung für die Zukunft zu finden. Zum Wohle von Unternehmen, Mitarbeitern und Patienten.

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Über den Autor

Dominik Laska

Er jongliert gern mit Worten, bei Phrasen und Floskeln bekommt er Zahnschmerzen. Der gelernte Journalist hat sein Handwerk sowohl im Print als auch Online gelernt. Der gebürtige Berliner schreibt für den ATOSS Work Blog über alle Themen moderner Arbeitswelten.

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