Neue Pflegepersonaluntergrenzen ab dem Jahr 2020 für vier Bereiche in Krankenhäusern

Eine Woche, nachdem die Verhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) hinsichtlich einer neuen Vereinbarung von Pflegepersonaluntergrenzen gescheitert waren, hat nun das Bundesgesundheitsministerium eine Ersatzvorlage vorgelegt. Was bedeutet das konkret? Das Ministerium legt die Untergrenzen nun selbst fest und zwar mit Wirkung über den 1. Januar 2020 hinaus.
 

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Wie das Deutsche Ärzteblatt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichten, kündigt das Ministerium neben den bisher vier pflegeintensiven Klinikbereichen – Intensivmedizin, Geriatrie, Unfallchirurgie und Kardiologie – vier weitere Bereiche an, für die Personaluntergrenzen ab 2020 gelten sollen: Herzchirurgie, Neurologie, Stroke-Units (Schlaganfallpatienten) sowie die Neurologische Frührehabilitation.

Wie SEHEN die konkreten Regelungen aus?

Betrachten wir zunächst die neuen Bereiche Herzchirurgie, Neurologie, Stroke-Units sowie die Neurologische Frührehabilitation:

Personaluntergrenzen für die Herzchirurgie

Während der Tagschicht sollen maximal sieben Patienten auf eine Pflegefachkraft fallen. In der Nachtschicht soll die neue Regelung 15 Patienten pro Pflegekraft vorsehen.

Personaluntergrenzen für die Neurologie

Während der Tagschicht sollen maximal zehn Patienten auf eine Pflegekraft fallen. In der Nachtschicht sieht die neue Regelung vor, dass höchstens 20 Patienten pro Pflegekraft betreut werden.

Personaluntergrenzen für Stroke-Units

Hier ist ein deutlich höherer Wert zu finden. Die Tagschicht soll drei Patienten pro Pflegefachkraft vorsehen. In der Nachtschicht erhöht sich dieser Wert auf fünf Patienten.

Personaluntergrenzen für die neurologische Frührehabilitation

Hier sind während der Tagschicht fünf Patienten pro Pflegekraft vorgesehen. In der Nachtschicht hingegen soll auf zwölf Patienten eine Pflegekraft kommen.

Geteiltes Meinungsbild zu neuen Pflegepersonaluntergrenzen

Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem hält die Verschärfung der Personalvorgaben für sinnvoll. „Die Krankenhäuser haben über viele Jahre Pflegepersonal abgebaut. Die Grenze zur gefährlichen Pflege war teilweise erreicht. Daher ist es richtig, dass die Politik die Einführung von Personaluntergrenzen beschlossen hat“, sagte Wasem der Saarbrücker Zeitung. „Gefährliche Pflege muss erkennbar sein und sanktioniert werden“, sagte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Wer dauerhaft zu wenige Pflegekräfte in seinem Haus einsetzt, gefährdet Patienten und auch Pflegekräfte.“

Kritik an den neuen Grenzen übte indes der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). „Dass bundesweit geltende Untergrenzen – zumal wenn sie sich am Personalbestand der am schlechtesten ausgestatteten Krankenhäuser orientieren – keine Verbesserung von Pflegequalität bringen und nicht einmal verlässliche Sicherheit bieten, muss jedem einleuchten. Sie nur für wenige ausgewählte bettenführende Bereiche einzuführen war der zweite Fehler, der dabei gemacht worden ist“, sagte die DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. Der GKV-Spitzenverband hingegen sieht in den Personaluntergrenzen vielmehr einen Auftrag für Krankenhäuser: „Die Verordnung stellt einen Kompromiss dar, auf dem wir uns als Selbstverwaltung jedoch nicht ausruhen dürfen“, sagte Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes der Frank­furter Allgemeinen Zeitung. Die Personaluntergrenzen seien kein Selbstzweck, sondern echter Patientenschutz. Nur wenn Krankenhäuser auf jeder Station und in jeder Schicht ausreichendes und fachkundiges Personal einsetzten, kämen sie ihrem Auftrag nach.

Pflegepersonaluntergrenze (PpUGV) - Arzt in OP-Saal

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Bestehende Bereiche bekommen verschärfte Regelungen

Zusätzlich zu den neuen Bereichen, so die übereinstimmenden Medienberichte, sollen mit den neuen Regelungen des Bundesministeriums auch die bestehenden Bereiche angefasst werden. Laut der neuen Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung sollen ab 2021 in der Intensivmedizin auf zwei Patienten je eine Pflegekraft in der Tagessschicht und für drei Patienten eine Pflegekraft in der Nachtschicht anwesend sein. 2019 konnten noch 2,5 Patienten in der Tag- und 3,5 Patienten in der Nachtschicht betreut werden. Für das kommende Jahr bleiben noch die Zahlen aus 2019 bestehen.

Veränderungen ab 2020 betreffen auch die Kardiologie: Hier gilt für die Tagschicht dann, dass zehn Patienten mindestens von einer Pflegekraft betreut werden. In der Nachtschicht verdoppelt sich die Zahl auf 20 Patienten. Das bisherige Verhältnis lag hier bei 12 zu 24.

Pflegepersonaluntergrenzen in der Praxis managen

Wie die Pflegepersonaluntergrenzen mit digitalem Workforce Management effizient eingehalten werden können, erklärt Thomas Hesse, Personaldirektor und Prokurist beim Klinikum Saarbrücken, in unserem Interview. (Hier geht es zum Interview)

Dort ist das Einhalten der Nachweisverordnung bei tagesgenauer Steuerung mittels regelmäßiger Reports stets gesichert. Um diese Reports pro Quartal und Abteilung leichter erstellen zu können, ist die zentrale Dokumentation von Soll- und Ist-Arbeitszeiten in der ATOSS Medical Solution eine große Hilfe. Die geforderten Nachweise entstehen sozusagen auf Knopfdruck und im gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraum von zwei Wochen nach Quartalsende. Hinzu kommen Vorteile bei der täglichen Disposition, die sich durch den Einsatz der ATOSS Medical Solution erzielen lassen. Die Planungsverantwortlichen beim Klinikum Saarbrücken können den Pflegepersonaleinsatz genauso steuern, wie es der Gesetzgeber mit den Pflegepersonaluntergrenzen erreichen will.

Digitales Workforce Management bringt für Krankenhäuser immensen Mehrwert. Per automatischem Dienstplan können auf Basis eines ermittelten Personalbedarfs Schichten qualifikationsgerecht besetzt werden – und das bei automatischer Überprüfung der vorgegebenen Personaluntergrenzen. Verstöße gegen gesetzliche, tarifliche oder betriebliche Regelungen werden vom System sofort angezeigt. Und auch Wünsche und spezielle Anforderungen der Mitarbeiter fließen in die Planung ein. Langfristig ist die digitale Dienstplanung auf Grundlage eines dezidierten Personalbedarfs ein wichtiges Instrument, um die effiziente Versorgung und Betreuung der Patienten fachlich wie wirtschaftlich bestmöglich zu unterstützen, ohne dabei die Interessen der Mitarbeiter aus den Augen zu verlieren

 

Wenn sie mehr darüber erfahren wollen, beraten wir Sie gern zu diesem Thema.

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Über den Autor

Dominik Laska

Er jongliert gern mit Worten, bei Phrasen und Floskeln bekommt er Zahnschmerzen. Der gelernte Journalist hat sein Handwerk sowohl im Print als auch Online gelernt. Der gebürtige Berliner schreibt für den ATOSS Work Blog über alle Themen moderner Arbeitswelten.

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