Das EuGH Urteil als Chance: Interview zur verpflichtenden Erfassung der Arbeitszeit

Das Urteil des EuGH soll Arbeitgeber in allen Mitgliedsstaaten der EU dazu verpflichten, die tägliche Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter systematisch zu erfassen. Wir haben mit Markus Wieser, Executive Director Product Management, ATOSS Software AG, darüber gesprochen. Er erklärt, warum das Urteil des EuGH zur Erfassung der Arbeitszeit mehr Chance als Bürokratie für Unternehmen ist. Denn mit einem digitalen Workforce Management werden moderne und gerechte Arbeitswelten geschaffen. Zum Vorteil von Unternehmen und Mitarbeitern.

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Markus Wieser, Executive Director Product Management, ATOSS Software AG

Herr Wieser, das aktuelle EuGH Urteil zur Erfassung der Arbeitszeit wird kontrovers diskutiert. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diese Vorgabe zu realisieren? 

Markus Wieser: Eine Software für Arbeitszeitmanagement ermöglicht die lückenlose und differenzierte elektronische Erfassung der Arbeitszeit, so wie das Urteil des EuGH es vorschreibt. Die Erfassung der Arbeitszeit kann direkt am Arbeitsplatz per PC, über ein Software-Terminal, Telefon oder unterwegs per App auf dem Smartphone erfolgen. Letzteres ist vor allem ein Vorteil für mobile Mitarbeiter, zum Beispiel im Außendienst, im Facility Management oder im öffentlichen Dienst bei Außeneinsätzen wie Verkehrsüberwachung oder Stadtreinigung. Unabhängig von der Art der Arbeitszeiterfassung weisen intelligente Automatismen auf fehlende Zeitbuchungen hin und machen die Erfassung der Arbeitszeit sicher und effizient. Die erfassten Arbeitszeiten bilden die Basis für die Berechnung von Zeitkonten und Zuschlägen sowie die automatische Prüfung von gesetzlichen Vorgaben, wie etwa der maximalen Arbeitszeit oder der Ruhezeit. So ermöglicht ein intelligentes Arbeitszeitmanagement gesetzeskonforme Prozesse und schützt gleichzeitig die Gesundheit der Belegschaft. 
 

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Welche Rolle spielt digitales Workforce Management in diesem Zusammenhang?

Wieser: Workforce Management geht noch einen entscheidenden Schritt weiter und bedeutet letztlich die Integration von Arbeitszeitmanagement und Personaleinsatzplanung. Unsere Lösungen nutzen die zentral erfassten Ist-Daten aus dem Arbeitszeitmanagement, um bedarfs-, kosten-, service- und mitarbeiterorientierte Dienstpläne zu berechnen. Dabei berücksichtigen sie neben gesetzlichen, tariflichen und betrieblichen Vorgaben den Personalbedarf sowie die Zeitkonten, Verfügbarkeiten und Qualifikationen der Mitarbeiter, ihre individuellen Wünsche und vieles mehr.   

Was hat es mit der bedarfsorientierten Personaleinsatzplanung auf sich? 

Wieser: Verfügt eine Workforce Management Software über eine integrierte Personalbedarfsermittlung, kann sie die genaue Anzahl der benötigten Mitarbeiter ermitteln. Also bestimmen, wie viele Mitarbeiter wann, wo und mit welcher Qualifikation zum Einsatz kommen sollten. Dazu fließen zum Beispiel im Handel Bedarfstreiber wie Auftrags- oder Kassendaten und Kundenfrequenzen in die Berechnung ein. Die ermittelten Bedarfe werden auf die vergleichbaren Verkaufstage im Vorjahr referenziert und unter Einbeziehung von Trends sowie geplanten Werbeaktionen prognostiziert. So entsteht eine fundierte Basis für einen punktgenauen Personaleinsatz. Die Erstellung solcher Dienstpläne ist eine hochkomplexe Angelegenheit, die sich mit selbstgestrickten Tabellenkalkulationslösungen nicht bewältigen lässt. Letzten Endes macht Digitales Workforce Management eine flexible und optimierte Arbeitszeitgestaltung entlang des tatsächlichen Personalbedarfs überhaupt erst möglich. 

Sie sehen das Urteil des EuGH also eher als eine Chance? 

Wieser: Darauf ein klares „Ja“. Digitales Workforce Management sorgt auf allen Ebenen für mehr Effizienz und schafft gleichzeitig mehr Flexibilität und Transparenz. Beispielsweise informieren automatisch generierte Push-Nachrichten über fehlende Zeitbuchungen, maximale Arbeitszeiten oder ablaufende Qualifikationen. Intuitive Self Services binden die Mitarbeiter direkt ein, entlasten die HR-Abteilung von Routinetätigkeiten rund um das Arbeits- und Fehlzeitenmanagement und beschleunigen diese Prozesse drastisch. So können vergessene Zeitbuchungen oder Abwesenheiten, zum Beispiel Urlaub oder Dienstreise, elektronisch durch den Mitarbeiter beantragt und direkt an den Vorgesetzten zur Genehmigung weitergeleitet werden. 

Und was haben die Mitarbeiter davon?

Wieser: Agile Arbeitsformen erfordern die Einbindung aller Prozessbeteiligten, insbesondere die der Mitarbeiter. Arbeitnehmer aller Generationen können über intuitive Self Services, mobile Apps, Wunschdienstpläne oder Tauschbörsen aktiv an der Gestaltung ihrer Arbeitszeit mitwirken und haben jederzeit Einblick in ihre Dienstpläne sowie ihre Zeit- und Urlaubssalden. Auf diese Weise werden die Motivation und die Eigenverantwortung der Arbeitnehmer gefördert. In unseren Augen leistet digitales Workforce Management einen Beitrag zu einer moderneren und gerechteren Arbeitswelt - im Sinne einer klassischen Win-Win-Situation. 

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Über den Autor

Sabine Eriyo

Sprachenliebhaber, Kommunikationsass und Menschenfreund: Sabine ist leidenschaftliche Texterin und Kommunikatorin, sowohl privat als auch für Themen, die die Arbeitswelt bewegen. Als überzeugte Geisteswissenschaftlerin auch gerne schöngeistig und philosophisch unterwegs.

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