Vernetzung von Daten im Gesundheitswesen

Von der digitalen Transformation profitieren Patienten, Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen. Der Schlüssel sind durchgängige Daten, die für die relevanten Stakeholder in Echtzeit verfügbar sind. Verknüpfte Systeme schaffen Datentransparenz und gewinnen neue Erkenntnisse für die medizinische Versorgung. Digitale Personalplanung macht Mitarbeiter zufriedener und den Klinikalltag effizienter.

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Big Data für höhere Qualität der medizinischen Versorgung 

Medizinischer Fortschritt geht heute über klassische Forschungsthemen wie die Heilung von Krankheiten, Gentechnik oder Impfstoffe hinaus. Denn gerade in der Vernetzung von Daten liegt im Gesundheitswesen ungenutztes Potential. Die intelligente Vernetzung von Bestandsdaten im Gesundheitswesen umfasst die sogenannte Telematikinfrastruktur. Sie verbindet unterschiedliche IT-Systeme, z.B. aus Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern oder Krankenkassen und ermöglicht einen sicheren elektronischen Austausch von Informationen. 

Ohne Digitalisierung drohen Strafen in Millionenhöhe 

Die Entwicklung kommt z.B. mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG)1 in Gang, das Projekte für die Digitalisierung im Gesundheitswesen fördert. Angefeuert werden die Digitalisierungsbestrebungen auch davon, dass denjenigen Krankenhäusern, die bis 2025 wesentliche Gesundheitsdaten noch nicht digitalisiert haben, Strafzahlungen drohen. Und zwar in Höhe von bis zu zwei Prozent des Rechnungsbetrags für jeden voll- und teilstationären Fall – selbst kleine Krankenhäuser sehen sich dann schnell mit Millionenbeträgen konfrontiert.

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Digitale Prozesse sind die Chance für Patienten

Dabei sollen die neuen Regelungen, wie das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), vor allem den Patienten zugutekommen. Sie ermöglichen digitale Vernetzung wie die sog. elektronische Patientenakte (ePa)2 der Krankenkassen. Hier können Daten zu Behandlungen, Untersuchungen und medizinische Befunde gespeichert werden – das reduziert die Zeit für die Informationsbeschaffung. Damit wird die persönliche medizinische Behandlung in Zukunft verbessert, weil Zeit für die konkrete Behandlung frei wird. Derzeit basiert sie auf einer freiwilligen Nutzung der Versicherten. Denn: Gesundheitsdaten stehen unter besonderem Datenschutz – deshalb regelt das neue Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG)3 die Datenverarbeitung und den Datenschutz digitaler Angebote, wie das E-Rezept oder die ePa. Weitere Investitionen finden durch das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG)4 statt, das mit digitalen Innovationen die Patientenversorgung optimieren soll. Damit soll die „Zettelwirtschaft“ der Vergangenheit angehören, indem Apps, beispielsweise zur Überwachung des Blutzuckerspiegels, oder Videosprechstunden gefördert werden.

Jedoch zeigt die Deloitte Studie5 „Mit Interoperabilität in die Zukunft des Gesundheitswesens“, dass für eine ganzheitliche Sicht auf Patientendaten noch eine Hürde zu überwinden ist. Nämlich die Übersicht über die gesamte „Patient Journey“ – also eine umfassende Darstellung der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen und Stationen einer Behandlung.

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Einheitliche Daten als Schlüssel

Sektorenübergreifender Datenaustausch ohne Schnittstellenprobleme ist in Deutschland noch Zukunftsmusik. So kann heute die Einweisungsdokumentation eines niedergelassenen Arztes noch nicht flächendeckend und automatisch im Krankenhausinformationssystem (KIS) einer Klinik gelesen, empfangen und in der Patientenakte abgespeichert werden. Die Offenlegung digitaler Notizen durch Ärzte scheitert an technischen Vorrausetzungen: Ein zentraler Speicherort ist nur ein Faktor. Es fehlt bisher an einem normierten Standard, wie Behandlungsnotizen in der ePA gespeichert werden sollen. Derzeit existieren in Deutschland über 200 verschiedene Praxisverwaltungssysteme (PVS). Das macht es Patient:innen auffallend schwer, die Dokumente in der ePA überhaupt zu finden. 

Der Schlüssel ist die konsequente Einführung offener, internationaler Standards und Profile zum Datenaustausch. Der Ende Dezember 2021 aufgelöste Think Tank health innovation hub (hih) hat lediglich die ersten Impulse für eine echtzeitfähige Informations- und Kommunikationsinfrastruktur für Patientendaten und Behandlungsinformationen gegeben, die weiterentwickelt werden müssen.

Full Width Digitalisierung Gesundheitswesen

Die Standardisierung von Gesundheitsdaten ist zwingend notwendig für eine gute Prävention, Diagnose, Therapie und die Verbesserung der Patientensicherheit. Moderne Verfahren und Algorithmen benötigen dabei FAIRe Daten, die innovative Produkte ermöglichen.

Prof. Dr. Med. Sylvia Thun*
Universitätsprofessorin für Digitale Medizin und Interoperabilität, Charité

Trotzdem bleibt viel zu tun: Laut statista6 liegt Deutschland in der Digitalisierung nur im Mittelfeld. Dieser Aufholbedarf spiegelt sich auch im Gesundheitswesen wider. Skandinavische Länder sind bereits weiter. So verknüpft Schweden im Gesundheitsportal „1777 Vårdguiden“ die elektronische Gesundheitsakte, Medikationsplan, Terminbuchungen und Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Arzt. Aber auch Deutschlands Nachbarländer Schweiz und Österreich sind mit der Umsetzung ihrer elektronischen Patientenakten bereits digitaler und vernetzter unterwegs. Allerdings haben die vergangenen zwei Jahre Corona-Pandemie auch bewiesen, dass sich die Einführung digitaler Tools und der Vernetzung von Daten beschleunigen lässt. Allerdings müssend die entsprechenden Stakeholder noch überzeugt werden. Laut Report der DAK-Gesundheit7 mit der Ärzte Zeitung, fühlt sich der Großteil der befragten Ärzte und Psychotherapeuten nicht genügend auf die Transformation durch digitaler Gesundheitslösungen vorbereitet.


1 https://khzg.de/
2 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/elektronische-patientenakte.html
3 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/patientendaten-schutz-gesetz.html
4 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/digitale-versorgung-gesetz.html
5 https://www2.deloitte.com/de/de/pages/life-sciences-and-healthcare/articles/interoperabilitaet-im-gesundheitswesen.html
6 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1016565/umfrage/digitalisierungsgrad-der-eu-laender-nach-dem-desi-index/#:~:text=Diese%20Statistik%20zeigt%20den%20Digitalisierungsgrad,Mittelfeld%20unter%20den%20EU%2DL%C3%A4ndern
7 https://www.dak.de

*Deloitte - "Mit Interoperabilität in die Zukunft Standardisierte Daten verändern die Gesundheitsversorgung"

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