Arbeit auf Abruf im Handel: Die neuen Regelungen

Im Jahr 2001 wurde das Teilzeit- und Befristungsgesetz von der damaligen rotgrünen Bundesregierung reformiert. Es galt als eines der wichtigsten Flexibilisierungsinstrumente für den Arbeitsmarkt. Damit wurde auf die Arbeit auf Abruf ermöglicht.
 

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Flexible Verträge für Teilzeitbeschäftigte, die nicht nach festgeschriebenen Stunden, sondern je nach Arbeitsanfall eingesetzt werden können. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2018 arbeiten 4,5 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland auf Abruf.

Die alten Regelungen zur Arbeit auf Abruf

War die Arbeitszeit vertraglich nicht fixiert, galten zehn Stunden pro Woche als vereinbart und mussten vom Arbeitgeber bezahlt werden. Eine Obergrenze war in dieser Reform nicht enthalten. Die Teilzeitkräfte sollten zudem nur dann zur Arbeit verpflichtet sein, wenn der Arbeitgeber sie mindestens vier Tage vor Einsatz angefragt hatte. Die betriebliche Praxis sah jedoch anders aus. Die Kritik wurde immer lauter. Flexibilität zum Vorteil von Unternehmen und zum Nachteil der Arbeitnehmer, hieß es immer wieder, beispielsweise von Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Denn Arbeit auf Abruf bedeutete meist auch wenig Planbarkeit hinsichtlich Arbeitszeiten und Vergütung. Zum 1. Januar 2019 hat die Große Koalition dem nun einen Riegel vorgeschoben. Zumindest einen kleinen.

 

Arbeit auf Abruf: Das ändert sich

Denn die Regelungen zu Arbeit auf Abruf, die im Paragraph 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes festgeschrieben sind, wurden überholt. Zum Vorteil der Arbeitnehmer. Das soll die Planbarkeit und die Sicherheit für Mitarbeiter erhöhen und die Waage der Flexibilisierungsmöglichkeiten in ein annehmbares Gleichgewicht bringen. Die neuen Regelungen in aller Kürze:

  1. Statt der festgeschrieben zehn Stunden gelten von nun an 20 Stunden als vereinbart, sofern im Vertrag keine abweichende Regelung festgeschrieben wird. Das erhöht die finanzielle Sicherheit der Arbeitnehmer, da auch bei Nichteinsatz 20 Stunden vergütet werden. Allerdings bringt diese Regelung zur Arbeit auf Abruf auch Probleme hinsichtlich geringfügig Beschäftigter mit. Doch dazu gleich mehr. Ist die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt, darf das Unternehmen nicht weniger als drei aufeinander folgende Stunden Arbeitseinsatz vom Mitarbeiter verlangen.
     
  2. Von der vereinbarten Arbeitszeit darf nur noch ein bestimmter Mehr- oder Minderaufwand vom Arbeitnehmer abverlangt werden. Ist im Arbeitsvertrag eine Mindestarbeitszeit festgelegt, darf der Arbeitgeber darüber hinaus nicht mehr als 25 Prozent der vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit abrufen. Ist eine Höchstarbeitszeit vertraglich festgelegt, kann nur noch 20 Prozent weniger abgerufen werden.
     
  3. Es bleibt bestehen, dass der Arbeitgeber seine Mitarbeiter vier Tage im Voraus darüber informieren muss, dass ein Einsatz notwendig ist. Arbeit auf Abruf, die spontaner erfolgen soll, verpflichtet den Mitarbeiter nicht dazu, die Tätigkeit auch auszuführen. Er kann rein rechtlich das Angebot ablehnen. Leider sieht die Realität immer noch anders aus, da viele der sogenannten Flex-Kräfte Bedenken haben, nicht mehr angefragt zu werden, sollten sie Schichten ablehnen.

Was es für Minijobber zu beachten gibt

Die neue Regelung zu Arbeit auf Abruf schafft planbarere Bedingungen für Flex-Kräfte. Allerdings müssen geringfügig Beschäftigte auf ihre Vertragsbedingungen achten. Und Unternehmen sollten die Arbeitszeit von Minijobbern stets von vornherein festhalten. Denn fallen GfBs unter die neue Regelung, so überschreiten sie schnell die gesetzlich vorgeschriebene 450-Euro-Grenze. Das wollen weder Unternehmen noch Mitarbeiter. Eine weitere Möglichkeit zu Flexibilisierung ist hierfür die langfristige Führung von Arbeitszeitkonten, auch für Minijobber. So können sie Stunden je nach Bedarf auf-und abbauen und bleiben bei gleichbleibendem Gehalt unter der 450-Euro-Grenze. Das macht Arbeit auf Abruf noch flexibler, zum Vorteil von Mitarbeitern und Unternehmen.

Arbeit auf Abruf auf die smarte Art

Um längerfristig disponieren zu können und Mitarbeitern mehr Planbarkeit zu bieten, ist eine bedarfsoptimierte Personaleinsatzplanung ein ideales Mittel für Unternehmen. Mit einer professionellen Workforce Management Software können sich Unternehmen auch proaktiv vor Überschreitungen der neuen Regelungen warnen lassen. Das gewährleistet Gesetzeskonformität ohne Abstriche. Kurzum: Arbeit auf Abruf auf die smarte Art.

Mehr dazu auf unserer Website atoss.com oder in unserer Broschüre direkt zum Download auf dieser Seite.

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Über den Autor

Dominik Laska

Er jongliert gern mit Worten, bei Phrasen und Floskeln bekommt er Zahnschmerzen. Der gelernte Journalist hat sein Handwerk sowohl im Print als auch Online gelernt. Der gebürtige Berliner schreibt für den ATOSS Work Blog über alle Themen moderner Arbeitswelten.

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