Arbeitszeitmodelle

Was sind Arbeitszeitmodelle?

Arbeitszeitmodelle sind die Voraussetzung für einen reibungslosen Unternehmensablauf und regeln die Verteilung der zu leistenden Stunden der Belegschaft. Dadurch sind tägliche, wöchentliche oder auch jährliche Arbeitszeitregelungen der Arbeitnehmer vertraglich festgelegt. Ob starres Arbeitszeitmodell oder flexibles Arbeitszeitmodell – die Ausgestaltung der Arbeitszeiten ist stets im Arbeitsvertrag festgeschrieben. 

Was sind flexible Arbeitszeitmodelle?

Unternehmen sind heute bemüht, die die Arbeitszeitgestaltung so flexibel wie möglich zu machen. Dabei geht es hauptsächlich darum, weg zu kommen vom klassischen 9-to-5 Modell, mit Anwesenheitspflicht, hin zu einer Kultur des selbstbestimmten Arbeitens, in der Mitarbeiter großen Spielraum über die Ausgestaltung ihres Arbeitslebens haben. 
Das gibt den Führungskräften nicht nur mehr Spielraum in der Personalplanung, sondern schafft auch deutlich mehr Raum für eine attraktive Arbeitszeitgestaltung und eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Themen, die vor allem der Arbeitgeberattraktivität zugutekommen. Daher sind Themen wie Gleitzeit, Jahresarbeitszeit, Vertrauensarbeitszeit, Home-Office oder mobile Arbeit, aber auch Lebensarbeitszeitkonten gern gesehene Mittel, um die Flexibilität für Unternehmen und Mitarbeiter zu steigern.

Wie können Sie Arbeitszeiten flexibilisieren? Schauen Sie in unsere Checkliste und erhalten Sie einen schnellen Überblick.

Welche Arbeitszeitmodelle gibt es?

Heute gibt es eine Vielzahl von Arbeitszeitmodellen, von starren Arbeitszeiten bis zu flexiblen Arbeitszeitmodellen. Schauen wir uns das einmal genauer an. Hier eine Arbeitszeitmodelle Übersicht

  • Vollzeit: Ein in Vollzeit beschäftigter Mitarbeiter hat in der Regel feste Arbeitszeiten von 40 Wochenstunden abzuleisten. Zu diesem Schluss ist auch das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil von 2015 gekommen.
     
  • Teilzeit: Dieses Modell hat einen geringeren Umfang als eine Vollzeitbeschäftigung. Beispielsweise 30 Stunden, aufgeteilt auf 6 Tage in der Woche. Seit 2001 besteht durch das Teilzeit- und Befristungsgesetz – TzBfG -  das festgeschriebene Recht auf Verringerung der Arbeitszeit unter bestimmten Voraussetzungen.
     
  • Gleitzeit: Prinzipiell bedeutet Gleitzeit, dass die Mitarbeiter bei einer festgeschriebenen Wochenarbeitszeit frei über den Beginn und das Ende entscheiden können – meist gibt es Gleitzeit mit einer Kernarbeitszeit oder Kernzeit. Das erhöht die Flexibilität für Arbeitnehmer deutlich.
     
  • Arbeitszeitkonto: Damit ist eine hohe Flexibilität möglich. Mitarbeiter können bei vertraglich festgelegter Arbeitsleistung Stunden entweder ansparen und später verbrauchen oder aber Minusstunden aufbauen, um ihr Konto zu einem späteren Zeitpunkt wieder auszugleichen.
     
  • Jahresarbeitszeit: Hierbei wird nicht eine wöchentliche Arbeitszeit vereinbart, sondern eine für das ganze Jahr. Der Arbeitgeber kann gemäß Auslastung besser planen.
     
  • Vertrauensarbeitszeit: Die Erbringung der Arbeitsleistung liegt ganz im Ermessen des Arbeitnehmers bzw. der Belegschaft. Der Betrieb vertraut darauf, dass die Arbeit erledigt wird. Bei der Vertrauensarbeitszeit ist es nicht wichtig, an welchen Arbeitstagen der Mitarbeiter wie lange arbeitet. Das Ziel ist die Leistungserbringung.
     
  • Schichtarbeit: Unter Schichtarbeit versteht man in der Regel die Arbeitsorganisation eines Unternehmensteils in verschiedene über den Tag verteilte Gruppen – beispielsweise Frühschicht und Spätschicht. Dabei kann es unterschiedliche Ausformungen der Schichtsysteme geben und auch die Anzahl der Schichten kann je nach Organisationslage anders ausfallen.
     
  • Nachtarbeit: Unter Nachtarbeit versteht sich die Erbringung einer Arbeitsleistung im Zeitraum zwischen 23 und 6 Uhr.
     
  • Home-Office: Im Home-Office arbeitet, wer gelegentlich in den eigenen vier Wänden arbeitet, aber dennoch auch in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers einen Arbeitsplatz hat. Dabei muss das Unternehmen für die private Einrichtung des Büros entsprechende Voraussetzungen hinsichtlich des Arbeitsplatzes schaffen. Bei Arbeit im Home-Office müssen auch Richtlinien gemäß Arbeitszeitgesetz (ArbZG), Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) eingehalten werden.
     
  • Telearbeit: Als Telearbeit wird eine besondere Form des Home-Offices bezeichnet, nämlich, wenn der Angestellte nicht mehr den Weg ins Büro antreten muss, sondern die vollständige Arbeitsleistung von zu Hause aus vollbracht wird.
     
  • Mobile Arbeit: Hierbei kann der Mitarbeiter den Ort seiner Leistungserbringung vollständig frei wählen.
     
  • Rufbereitschaft: Während der Rufbereitschaft muss sich der Arbeitnehmer für einen Arbeitseinsatz bereithalten. Anders als beim Bereitschaftsdienst muss er sich dafür nicht in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers aufhalten, sondern muss nur erreichbar sein, sodass er im Zweifel die Arbeit in einem festgelegten Reaktionszeitraum antreten kann.
     
  • Zeitwertkonten oder Lebensarbeitszeitkonten: Bei einem Lebensarbeitszeitkonto spart der Arbeitnehmer über die gesamte Dauer Stunden bzw. Geld an, um beispielsweise mit dem Eintritt in das Rentenalter früher in den verdienten Ruhestand gehen zu können. Der Zeitpunkt des Eintritts in die vorgezogene Rente richtet sich dabei nach der Höhe des bisher angesparten Zeitguthabens. Das Wertguthaben kann auch für andere Fälle, wie Pflegezeit, Elternzeit oder, wenn explizit in der Vereinbarung geregelt, ein Sabbatical, aufgebraucht werden.
     
  • Sabbatical: Hierbei handelt es sich um eine unbezahlte Auszeit oder unbezahlten Sonderurlaub, der individuell zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geregelt wird. Dabei kann auch einige Zeit vor Beginn des Sabbaticals das Entgelt des Arbeitnehmers um einen festgelegten Prozentsatz gekürzt werden, sodass während der freiwilligen Freistellung der Entgeltbezug weiter fortbesteht.
Arbeitszeitmodelle Wiki Auflistung Wie häufig welche Arbeitszeitmodelle vorkommen.

Die Verteilung an Arbeitszeitmodelle in Deutschland mit Stand 2017, Quelle: Statista

Welche Vorteile haben flexible Arbeitszeitmodelle?

Es ist nicht begrenzt oder vorgeschrieben, wie viele Modelle (Vollzeit, Teilzeit, Gleitzeit etc.) ein Unternehmen einführen kann, muss oder sollte. Das bleibt jedem Betrieb selbst überlassen. Dennoch sollte bedacht werden, dass flexible Arbeitszeiten und somit auch die entsprechenden Arbeitszeitmodelle weniger Nachteile, sondern deutliche Vorteile mit sich bringen. Beispielsweise können auch für Kurzarbeit Arbeitszeitmodelle geschaffen werden, um diesen besonderen Fall effektiv abzubilden. Generell kommt es der Flexibilisierung zu Gute und auch die Personalplanung profitiert. Warum hat flexible Arbeitszeit Vorteile

Hier ein Überblick:

  • Ausrichtung der Personalplanung an den unternehmensrelevanten Nachfrageschwankungen
  • Stärkung mit Hinsicht auf Arbeitgeberattraktivität
  • Senkung von Fluktuation und Fehlzeiten durch höhere Work-Life-Balance
  • Höhere Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter
  • Steigende Produktivität und optimierte Kosten

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Gibt es ein Recht auf flexible Arbeitszeitmodelle?

In § 1 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) ist festgeschrieben, dass das Gesetz den Zweck erfüllen solle, die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern.  Ein generelles Recht auf flexible Arbeitszeiten gibt es aber nicht. Dennoch gilt für Unternehmen mit Betriebsrat laut § 87 Abs. 1 Nr. 2 Betriebsverfassungsgesetz Folgendes: Dieser habe, soweit eine gesetzliche oder tarifliche Regelung nicht besteht, über Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage mitzubestimmen.

Gibt es ein Recht auf Teilzeit?

Die kurze Antwort: Ja. Im Teilzeit- und Befristungsgesetz - TzBfG  ist dies geregelt und prinzipiell hat jeder Arbeitnehmer das Recht darauf. Dieser Wunsch kann in der Regel nur abgelehnt werden, wenn betriebliche Gründe dagegensprechen. Doch einige Voraussetzungen müssen gegeben sein. Die wichtigsten Fakten in Kürze, festgelegt in § 8 TzBfG: 

  • Das Arbeitsverhältnis muss länger als sechs Monate bestehen
  • Die Verringerung und der Umfang der Verringerung muss spätestens drei Monate vor Beginn in Textform angegeben werden – inklusive gewünschter Verteilung der zukünftigen Arbeitszeit
  • Soweit betriebliche Gründe nicht dagegensprechen, hat der Arbeitgeber zuzustimmen. Ein solcher Grund liegt vor, „wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht. Die Ablehnungsgründe können durch Tarifvertrag festgelegt werden. Im Geltungsbereich eines solchen Tarifvertrages können nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Anwendung der tariflichen Regelungen über die Ablehnungsgründe vereinbaren.“ (§ 8 Nr. 4 TzBfG)
  • Eine erneute Verringerung ist frühestens nach zwei Jahren wieder möglich, sofern der Arbeitgeber bereits zugestimmt oder sie berechtigt abgelehnt hatte
  • Der Anspruch auf Teilzeit besteht, wenn das Unternehmen in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt

Welche Auswirkungen haben Arbeitszeitmodelle auf die Arbeitszeiterfassung?

Je mehr Arbeitszeitmodelle im Einsatz sind, desto komplexer wird das Arbeitszeitmanagement. Daher stellt eine digitale Arbeitszeiterfassung die Grundlage für ein lückenloses und zuverlässiges Arbeitszeitmanagement dar. Generell sollte bei allen Arbeitszeitmodellen eine Arbeitszeiterfassung erfolgen, damit im Zweifel Überstunden bzw. Mehrarbeit dokumentiert werden kann und auch der Arbeitnehmerschutz in all seinen Ausführungen stets gewahrt bleibt.

Warum wünschen sich Arbeitnehmer flexible Arbeitszeitmodelle?

Gerade die Themen Gesundheit und Familie werden immer wieder in Verbindung mit flexiblen Arbeitszeiten genannt. Denn eines ist klar: Je flexibler die Arbeitszeitgestaltung bzw. die Personalplanung gestaltet sind, je autonomer Mitarbeiter über ihr Arbeitsleben entscheiden und es in Einklang mit ihrem Privatleben bringen können, desto attraktiver wird das Unternehmen und desto zufriedener sind die Mitarbeiter. Mit festen Arbeitszeiten wird das schwer. 

Einen Nachteil flexibler Arbeitszeiten nennt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in ihrem Arbeitszeitreport. Denn mit der Freiheit der erhöhten Selbstgestaltung der Arbeitszeit „verschmelzen Arbeits- und Ruhezeiten immer öfter zu einer entgrenzten Arbeit mit allen negativen Konsequenzen für Wohlbefinden, Sicherheit und Gesundheit“. Dennoch liegt der Anspruch heutiger Generationen klar auf einer großen Flexibilität rund um das Arbeitsleben. Der Studie Young Professionals Attraction Index (YPAI) zufolge ist das Thema flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance für 55 Prozent aller Befragten wichtig bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber.

Arbeitszeitmodelle und Gesundheit

Wer flexibel über seine Arbeitszeit bestimmen kann, dem geht es gesundheitlich besser. Auch zu diesem Schluss kommt die BAuA. Wer Anfang und Ende seiner Arbeitszeit nur wenig beeinflussen könne, klage häufiger über Rückschmerzen, Schlafstörungen und Erschöpfung (siehe Grafik unten). Wenn Beschäftigte bei der Arbeitszeitgestaltung hingegen einbezogen würden und die Arbeitszeiten vorhersehbar seien, wirke sich das positiv auf Gesundheit und Work-Life-Balance aus.

Eine weitere Studie mit dem Titel Do working hours affect our health kommt zu dem Schluss, dass auch nur eine minimale Anhebung der wöchentlichen Arbeitszeit ausreicht, damit Mitarbeiter ihre eigene Gesundheit schlechter bewerten und häufiger zum Arzt gehen.

Arbeitszeitmodelle Grafik Gesundheitliche Folgen verschiedener Arbeitszeitmodelle

Quellen: 
Arbeitszeitmodelle im Überblick | Arbeitszeit klug gestalten
Wikipedia Arbeitszeitmodell
Flexible Arbeitszeitmodelle - Überblick und Umsetzung
Krise ändert Job-Prioritäten junger Arbeitnehmer | Personalwirtschaft
Flexible Arbeitszeitmodelle, Überblick und Umsetzung
Cygan-Rehm K. & Wunder C. Do working hours affect health?

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    Er jongliert gern mit Worten, bei Phrasen und Floskeln bekommt er Zahnschmerzen.

    Dominik Laska
    Dominik Laska-Eschelbach
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