Bereitschaftsdienst

Bereitschaftsdienst Definition

Was ist eigentlich ein Bereitschaftsdienst? Prinzipiell muss sich der Arbeitnehmer während dieser Zeit für dienstliche Zwecke bereithalten. Er muss seine Arbeitskraft jederzeit einsetzen können, falls es erforderlich ist. Je nach Art des Betriebs kann der Bereitschaftsdienst von anderen Orten aus geleistet werden.

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Wo kommen Bereitschaftsdienste vor?

Bereitschaftsdienste werden überwiegend im Gesundheitswesen und im sozialen Dienst geleistet. Sie sind typisch für folgende Branchen und Berufsgruppen:

  • Ärztinnen und Ärzte 
  • Pflegekräfte
  • Rettungssanitäter
  • Notdienste 
  • Öffentlicher Dienst z.B. Feuerwehr 
  • Polizei

Bereitschaftsdienste haben sich inzwischen auch in anderen, überwiegend technischen Bereichen etabliert: 

  • Energieversorgung
  • tierärztliche Versorgung
  • Seuchenschutz
  • Eisenbahnverkehr
  • Wetterdienst
  • Gebäudetechnik
  • Sicherheitsdienst beziehungsweise Wachgewerbe
  • Bestattungsdienst

Sie kommen außerdem häufig in der Taxi- und Botenbranche, in der Ver- und Entsorgungswirtschaft sowie in produzierenden Unternehmen vor1.

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Was ist der Bereitschaftsdienst im Arbeitsrecht?

Der Arbeitgeber kann aufgrund seines Weisungsrecht im Arbeitsrecht einseitig bestimmen, dass ein Arbeitnehmer Bereitschaftsdienst bzw. Bereitschaftsdienstzeiten zu leisten hat. 

Dabei hat er jedoch die rechtlichen Grundlagen bezüglich des Bereitschaftsdienstes zu beachten. Diese umfassen verschiedene Rechtsgebiete2

  • Individualarbeitsrecht Bereitschaft 
  • Öffentlich-Rechtlicher Arbeitsschutz (ArbSchG)
  • Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Individual Arbeitsrecht Bereitschaftsdienst

Hier geht es um die Frage, ob der betreffende Arbeitnehmer überhaupt dazu verpflichtet ist, solche Dienste zu leisten und wie diese zu vergüten sind. Falls es im Arbeits- oder Tarifvertrag keine Vereinbarungen bezüglich der Verpflichtung zum Bereitschaftsdienst gibt, kann ein Arbeitnehmer nicht dazu gezwungen werden. 

Arbeitsschutz Bereitschaftsdienst 

Der öffentlich-rechtliche Arbeitsschutz muss auch während Bereitschaften gewährleistet sein. Innerhalb der Rufbereitschaft müssen eventuelle Wegezeiten im Rahmen der arbeitsschutzrechtlichen Gefährdungsbeurteilung gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) berücksichtigt werden.

Arbeitszeitgesetz Bereitschaftsdienst

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gilt zum Beispiel in Bezug auf die darin enthaltenen Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Ruhezeiten und Ruhepausen. Der Bereitschaftsdienst muss dabei vollumfänglich in die Arbeitszeitberechnung einfließen.3

Was ist der ärztliche Bereitschaftsdienst?

Im Gegensatz zum Bereitschaftsdienst in technischen Bereichen oder bei einem Rettungssanitäter halten sich Ärztinnen und Ärzte während des Bereitschaftsdienst in der Regel in den Aufenthalts- oder Ruheräumen der Klinik auf. Sie können ihre Zeit dort frei gestalten. Sobald ein Patient versorgt werden muss, müssen sie ihrer beruflichen Pflicht nachkommen und ihn umgehend behandeln.

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In anderen Branchen hält sich der Mitarbeitende oft weder am Arbeitsplatz noch in dem jeweiligen Unternehmen auf. Es ist manchmal auch möglich, den Dienst zu Hause abzuleisten. Dann muss jedoch sichergestellt sein, dass die Arbeitsstätte binnen kurzer Zeit erreicht werden kann.

In Bezug auf das Arbeitsrecht, Arbeitszeitgesetz und Arbeitsschutzgesetz sind beide Arten gleich zu behandeln. 

Rufbereitschaft & Bereitschaft: Was ist Arbeitszeit?

Ist Bereitschaftsdienst Arbeitszeit?

Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2000, ist die Bereitschaftszeit für den durch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) garantierten Gesundheitsschutz als Arbeitszeit zu betrachten. Dies gilt unabhängig von der tatsächlich erbrachten Arbeitsleistung. 

Arbeitgeber müssen Bereitschaftsdienste auf die im Arbeitszeitgesetz festgelegten Höchstarbeitszeiten anrechnen und hinsichtlich der gesetzlich vorgeschriebenen 48 Arbeitsstunden einer 6-Tage-Woche in vollem Umfang berücksichtigen.  

Falls regelmäßig oder in größerem Umfang ein Bereitschaftsdienst notwendig wird, kann im Tarifvertrag oder der Betriebsvereinbarung geregelt werden, dass von der 8-Stunden Regelung pro Tag abgewichen werden darf. Dies ist jedoch nur dann zulässig, wenn die wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden im Durchschnitt von 6 Monaten eingehalten wird. 

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Ist Rufbereitschaft Arbeitszeit?

Die Rufbereitschaft ist eine Sonderform des Bereitschaftsdienstes. 

Während bei einem Bereitschaftsdienst eine Ortsbeschränkung vorliegt, kann sich der Arbeitnehmer bei einer Rufbereitschaft an einem von ihm selbst gewählten Ort aufhalten.

Auf Abruf muss er innerhalb einer vereinbarten Zeit die Arbeit aufnehmen können. Seine Zeit kann der Beschäftigte bei Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft frei einteilen. 

Die Rufbereitschaft gehört zur Ruhezeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Nur die tatsächlich zur Verfügung gestellte Arbeitskraft innerhalb der Rufbereitschaft gilt als Arbeitszeit.

Bereitschaftsdienst Vergütung

Bereitschaftsdienst Bezahlung

Die Vergütung ist von der arbeitszeitgesetzlichen Bewertung grundsätzlich unabhängig. Bereitschaftsdienste können deshalb in Tarifverträgen und Arbeitsverträgen geringer vergütet werden als Arbeitsleistungen im Rahmen von Vollarbeitszeit.5 

Rufbereitschaft Bezahlung 

Die Rufbereitschaft wird in der Regel mit einer Pauschale entlohnt. Darüber hinaus hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Entgelt für die tatsächlich geleistete Arbeit während der Rufbereitschaft.6

Bereitschaftsdienst bis zu welchem Alter?

Es gibt für Bereitschaftsdienste keine gesetzlich festgelegte Altersgrenze. Es gilt die individuelle Regelung im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung.  


1 Arbeitsrechte.de
2 Juraforum.de
3 Arbeitsvertrag.org
4 Hensche.de
5 Haufe.de
6 Ditschler Seminare | Bereitschaftsdienst

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    Sprachenliebhaber, Kommunikationsass und Menschenfreund.

    Sabine Eriyo
    Sabine Eriyo
    Autorin
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