So funktioniert flexibler Personaleinsatz

Ein Blick über den Tellerrand schadet ja bekanntlich niemandem. Schauen wir also einmal nach Österreich. Dort wurde das Arbeitszeitgesetz zum 1. September 2018 für mehr Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeit novelliert. Es erlaubt künftig das Arbeiten von zwölf Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche. Die "Normalarbeitszeit" bleibt jedoch bei acht Stunden täglich und bei 40 Stunden pro Woche bzw. in vielen Branchen 38,5 Wochenstunden bestehen. Wird darüber hinaus gearbeitet, fallen Überstunden an. Diese werden (mit 50 Prozent Zuschlag) am Monatsende ausgezahlt oder als Zeitausgleich konsumiert. Pro Woche sind jedoch nur 20 Überstunden zulässig. Und in einem Zeitraum von 17 Wochen darf die durchschnittliche Arbeitszeit 48 Wochenstunden nicht überschreiten.

Was kontrovers diskutiert wird, ist aus vielen Gründen wirtschaftliche Notwendigkeit. Allein die demographische Entwicklung macht es notwendig, das Potenzial aller auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Fachkräfte auszuschöpfen. Gerade in der personalintensiven Dienstleistungsbranche oder im Gesundheitswesen wird die Belegschaft immer weiblicher. Vielfältige Vertragsmodelle, familienfreundliche Arbeitszeiten und die Möglichkeit, kurzfristig Schichten zu tauschen, sind häufig die Grundvoraussetzung, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und vor allem auch zu binden.

Wie werden flexible Arbeitszeiten nicht zu einer Einbahnstraße?

Eines ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden: Unternehmen können nur mit ihren Mitarbeitern gemeinsam erfolgreich sein. Arbeitszeitflexibilisierung darf daher nicht einseitig von der Belegschaft gefordert werden, die Unternehmen müssen heute „win-win“ Situationen schaffen.  Umfragen von arbeitnehmerfreundlichen Organisationen wie der IG Metall zeigen, dass die meisten Mitarbeiter offen für fachliche und zeitliche Flexibilität sind – wenn sie davon ebenfalls profitieren. Besonders wichtig ist ihnen dabei eine hohe Verlässlichkeit in der Personaleinsatzplanung.

Arbeitszeitflexibilisierung in der Praxis umzusetzen, ist jedoch eine enorme Herausforderung: Unternehmen müssen unterschiedlichste Schwerpunkte der Interessensgruppen und gesetzliche Rahmenbedingungen im Planungsprozess berücksichtigen. Gleichzeitig ist die Auftragslage relevant für den Einsatzplan. Und die schwankt heute in vielen Unternehmen stark. Viele Organisationen planen noch zu starr, um Personalkapazitäten lang- und kurzfristig an den tatsächlichen Bedarf anpassen zu können und die Vorteile des flexiblen Arbeitens optimal zu nutzen. Ein professionelles Workforce Management System schafft die nötigen Voraussetzungen.

Warum muss der Personalbedarf im Fokus stehen

Ist der langfristige Bedarf aufgrund von Vergangenheitsdaten, Daten aus anderen vorgelagerten Systemen durch eine Personalbedarfsermittlung bekannt, kann die Personalabteilung zum Geschäftsmodell passende Flexibilisierungsmaßnahmen entwickeln. Zeitliche Flexibilität schafft ein sinnvoller Mix unterschiedlicher Arbeitszeitmodelle, etwa Vollzeit und Teilzeit, sowie geeigneter Schichtmodelle wie kurze und lange Schichten, ein bis drei Schichten pro Tag, Flexischichten, Bereitschaftsdienste oder Springer-Pools. Fachliche Flexibilität trägt dazu bei, dass Unternehmen Mitarbeiter vielseitiger einsetzen können, auch bereichsübergreifend. Über Recruiting und Querqualifikationen lässt sich die Belegschaft gezielt dem Bedarf anpassen. Das schafft großes Potenzial in der Arbeitszeitflexibilisierung.

WIE KÖNNEN ARBEITGEBER FÜR MITARBEITER ATTRAKTIVER WERDEN?

Ein weiterer Punkt ist, dass flexibles Arbeiten immer mehr zu einem Faktor im Employer Branding wird. Hochqualifizierte Fachkräfte präferieren Arbeitgeber, die Möglichkeiten bieten, die eigenen Bedürfnisse in die Planung einzubringen – die vielzitierte Work-Life-Balance oder Work-Life-Integration.

Zwingende Voraussetzung für eine solche Arbeitszeitflexibilisierung sind digitale Steuerungsinstrumente, um den tatsächlichen Personalbedarf zu ermitteln, entsprechend zu planen und gleichzeitig die Wünsche der Mitarbeiter zu berücksichtigen.

 

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Über den Autor

Sabine Eriyo

Sprachenliebhaber, Kommunikationsass und Menschenfreund: Sabine ist leidenschaftliche Texterin und Kommunikatorin, sowohl privat als auch für Themen, die die Arbeitswelt bewegen. Als überzeugte Geisteswissenschaftlerin auch gerne schöngeistig und philosophisch unterwegs.

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