Bertelsmann-Studie: Der Status Quo der Digitalisierung in deutschen Unternehmen

Wie digital sind deutsche Unternehmen? Dieser Frage geht eine Studie der Bertelsmann-Stiftung nach (Veröffentlichung zu Beginn des Jahres 2020). Das Besondere: Der Hintergrund und der Fokus der Untersuchung liegt auf der Sicht der Mitarbeiter. Sie beurteilen in der Befragung, wie sie die Entwicklung der betrieblichen Digitalisierung sehen. Das grenzt die Studie von vielen anderen Untersuchungen ab, die meist mit dem Blick auf Führungsebenen operieren. Das erstaunliche Ergebnis dabei ist, „dass Erwerbstätige deutlich offener gegenüber der digital bedingten Veränderung ihrer Arbeiten eingestellt sind, als dies gemeinhin in Führungskräftestudien dargestellt wird. Es sind vielmehr die Unternehmensführungen, die dieser Offenheit nicht durch entsprechende digitale Werkzeuge oder Konzepte wie mobiles Arbeiten begegnen", so die Studien-Autoren.

Was versteht man eigentlich unter Digitalisierung?

Bevor wir auf die zentralen Ergebnisse der Studie eingehen, sollte geklärt werden, wie dort der Begriff Digitalisierung oder „digital“ überhaupt behandelt und auf welche Definition zurückgegriffen wird. Dazu heißt es in dem Papier: „Unter „digital“ verstehen wir im Folgenden dabei nicht nur eine entsprechende technische Ausstattung des Arbeitsplatzes, sondern auch das gesamte Arbeitsumfeld, wie moderne Produktionsprozesse oder moderne Formen der Arbeitsorganisation (flache Hierarchien, dynamische und flexible Prozesse, interkulturelle sowie standortübergreifende Teams, zeitliche und räumliche Flexibilität) etc.“ Für die repräsentative Umfrage wurden 2.088 Personen unterschiedlicher Berufsgruppen befragt.

Wie schätzen Mitarbeiter die Digitalisierung in ihrem Unternehmen ein?

Auf die Frage, wie digital die Mitarbeiter ihr eigenes Unternehmen einschätzen, geben 39 Prozent der Befragten an, dass die Digitalisierung in ihrem Betrieb angekommen sei. An sich ist das schon einmal ein stattliches Ergebnis. Es zeigt allerdings auch, dass sechs von zehn Studienteilnehmer glauben, dass noch Potential in ihrem Unternehmen besteht. Diese 60 Prozent gliedern sich noch einmal auf. Denn 38 Prozent geben, an, dass sie teilweise in einem „digitalen Umfeld“ arbeiten, jedoch sagt auch jeder Fünfte (22 Prozent), dass er sein Unternehmen als wenig bis gar nicht digital wahrnimmt. Die Aussage der Forscher ist klar: „Es besteht Handlungsbedarf“.

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Quelle: Kantar, Bertelsmann Stiftung. Die verwendeten Grafiken stehen unter einer CC-BY-Lizenz.

Je größer, desto digitaler

Unterscheiden muss man, so die Bertelsmann-Studie, wie groß ein Betrieb ist. Die einfache Formel: Je größer, desto digitaler oder wie es im Wortlaut heißt: „Je größer ein Unternehmen, desto höher ist der Anteil derer, die es als digital fortgeschritten einstufen. Gründe für dieses Ergebnis könnten vor allem sein, dass bei kleinen Unternehmen die Infrastruktur fehlt und auch die finanziellen wie personellen Ressourcen für Investitionen in digitale Lösungen nicht vorhanden beziehungsweise schwieriger zu mobilisieren sind, als dies bei größeren Unternehmen der Fall ist.“

Wie digital ist der Arbeitsalltag?

Ist die Digitalisierung im Betrieb angekommen, stellt sich die Frage, wie sich die digitale Transformation im Arbeitsalltag niederschlägt. Generell ist die Aufgeschlossenheit der Befragten bezüglich digitaler Arbeitsweisen und Technologien mit 65 Prozent sehr hoch. „Der hohe Wert der Zustimmung ist darüber hinaus interessant, da er unterstreicht, in welch hohem Maße die befragten Erwerbstätigen diese Offenheit für technologisch bedingte Veränderungen mit sich bringen“, heißt es in dem Papier. Das stünde im Kontrast mit vielen Befragungen unter Führungskräften, wo es oftmals heißen würde, dass es an qualifizierten Mitarbeitern mit Digital-Know-how mangele und dies eine große Hürde für die digitale Transformation sei.

Digitalisierung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll durch die Digitalisierung erleichtert werden. Dazu heißt es in der Studie: „In vielen Berufen hat die Digitalisierung das Potenzial, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben durch technologische Hilfsmittel und flexiblere Arbeitsweisen zu erleichtern. Diese Erleichterung bestätigen insgesamt 51 Prozent der Befragten, wobei zugleich auch 30 Prozent dieser Aussage ablehnend gegenüberstehen“. Die untenstehende Grafik gibt Aufschluss darüber, wie die Zustimmungsquote in den einzelnen Altersgruppen aufgeschlüsselt wurde.

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Quelle: Kantar, Bertelsmann Stiftung. Die verwendeten Grafiken stehen unter einer CC-BY-Lizenz.

Fazit

Die Forscher der Bertelsmann-Studie kommen zu folgendem Schluss: „Auf einem Arbeitsmarkt, der sich deutlich zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entwickelt […] und in dem Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zunehmend um qualifizierte Mitarbeitende buhlen, sind flexible Arbeitsmöglichkeiten enorm wichtig für die Zufriedenheit und Bindung der Beschäftigten“. Dass rund 30 Prozent der Befragten bislang keine Erleichterung in der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben durch die Digitalisierung für sich beobachten können, zeigt das vorhandene Potential.

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Anmerkung: Die verwendeten Grafiken wurden unter einer CC-BY-Lizenz verwendet.

Link zur Bertelsmann-Studie

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Über den Autor

Dominik Laska

Er jongliert gern mit Worten, bei Phrasen und Floskeln bekommt er Zahnschmerzen. Der gelernte Journalist hat sein Handwerk sowohl im Print als auch Online gelernt. Der gebürtige Berliner schreibt für den ATOSS Work Blog über alle Themen moderner Arbeitswelten.

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